Der Inquisitor im Halbdunkel, Querformat

Die Nadel des Inquisitors

Das Teufelsmal von Falkenrode

Eine Nadel, die niemals irrt. Ein Schmied, der ihr Geheimnis kennt.

Autor·in:
Jürgen Vogel
Sprecher·in:
KI-Stimme
Laufzeit:
ca. 1 Std. 23 Min.

Gratis anhören bis 14. November

Cover von Die Nadel des Inquisitors

Gratis bis 14. November

Das ganze Hörbuch kostenlos anhören

Einfach auf Play drücken – ohne Anmeldung. Deine Position wird auf diesem Gerät gemerkt.

Funken in der Vorburg

0:00–:–

Lieber lesen? Das E-Book gibt es sofort zum Download.

Spielt zehn Jahre vor „Wenn das Eis blutet“ auf derselben Burg – mit Guda und dem jungen Kilian als Gastfiguren. Zu „Wenn das Eis blutet“

Hat dir die Geschichte gefallen?

Trag dich ein und erfahre als Erstes von neuen Hörbüchern. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Die Geschichte

Über das Hörbuch

Harz, Oktober 1398. Vier Tage vor Allerheiligen kommt Magister Ortwin Kessler nach Burg Falkenrode, ein Inquisitor mit einer geweihten Nadel, die angeblich nie irrt: Wo sie sticht und kein Blut fließt, sitzt der Teufel. Ihr erstes Opfer ist Ilse, eine junge Kräuterkundige. Als die Nadel nachts beim Schmied Matthes zur Reparatur landet, entdeckt er ihr Geheimnis. Ihm bleibt eine einzige Nacht, um die Frau zu retten, die er liebt, mit Hilfe einer gerissenen Marktfrau und eines hinkenden Jungen. Und mit einer List, die den Inquisitor in seiner eigenen Falle fängt.

  • Historischer Thriller
  • Mittelalter
  • Halloween
  • Harz

Spielt zehn Jahre vor „Wenn das Eis blutet“ auf derselben Burg – mit Guda und dem jungen Kilian als Gastfiguren. Zu „Wenn das Eis blutet“

Burg Falkenrode im Nebel, auf dem Friedhof brennen Lichter für die Toten

Hörbuch & Datei-Details

Autor
Jürgen Vogel
Sprecher
KI-Stimme
Laufzeit
ca. 1 Std. 23 Min.
Sprache
Deutsch

Hörbuch · MP3

Eine MP3-Datei zum Herunterladen. Abspielbar mit einem MP3-kompatiblen Player auf Smartphone, Tablet oder Computer.

E-Book · EPUB & PDF

Beim E-Book-Kauf stehen beide Dateiformate bereit: EPUB für kompatible E-Reader und Lese-Apps, PDF für Geräte mit PDF-Anzeige.

Leseprobe

Kapitel 1 · Funken in der Vorburg

In jenem Herbst kam der Nebel jeden Morgen aus den Tälern herauf, als wolle er die Burg Falkenrode verschlucken. Er kroch über die Wiesen, über die Dächer des Dorfes, über den Burgweg mit seinen drei Kehren, und wenn er oben die Mauern erreichte, blieb er dort hängen wie nasse Wolle. Man schrieb den siebenundzwanzigsten Tag des Oktobers, im Jahr des Herrn 1398. In vier Tagen war Allerheiligen.

Die alten Leute im Dorf sagten, in diesen Nächten werde der Weg zwischen den Lebenden und den Toten schmal. Dann kämen die Seelen heim, um nachzusehen, wer an sie denkt. Und wer ihnen Unrecht getan hat.

Matthes glaubte nicht an solche Geschichten. Er glaubte an Eisen.

Die Schmiede stand in der Vorburg, gleich neben dem Pferdestall, ein niedriges Haus aus grauem Stein mit einem Dach, das sich unter dem Ruß der Jahre schwarz gefärbt hatte. Seit dem Sommer führte er sie allein. Meister Volkmar, bei dem er zehn Jahre lang gelernt hatte, war im Juli über dem Amboss zusammengesunken, mit dem Hammer noch in der Hand. Der Burgherr hatte gezögert, einem Burschen von zwanzig Jahren die Schmiede zu überlassen. Aber es gab keinen anderen. Und Matthes konnte Dinge, die selbst Volkmar nicht gekonnt hatte.

An diesem Morgen saß er an der kleinen Werkbank unter dem Fenster, nicht am großen Amboss. Vor ihm lag das Schloss einer Truhe, aufgeschraubt, sein Inneres ausgebreitet auf einem Stück Leder wie die Eingeweide eines kleinen Tieres. Der Kämmerer hatte es am Vortag gebracht, fluchend, weil sich die Truhe mit den Pachtgeldern nicht mehr öffnen ließ.

Matthes hob mit einer feinen Zange eine Feder an. Sie war gebrochen, ein Draht, kaum dicker als ein Haar, zu einer Spirale gewunden. Er legte sie beiseite, nahm einen neuen Draht, den er tags zuvor dünn gezogen hatte, und begann ihn um einen Dorn zu wickeln. Langsam. Windung um Windung. Er atmete dabei kaum.

Er hörte sie nicht kommen. Er bemerkte sie erst, als ein Geruch nach Thymian und Rauch durch den Gestank von Kohle und Eisen zog.

„Wenn du so weitermachst“, sagte Ilse hinter ihm, „vergisst du eines Tages, wieder einzuatmen.“

Matthes ließ den Dorn nicht los. Erst als die letzte Windung saß, drehte er sich um. Sie stand in der Tür, ein dunkles Tuch um die Schultern, einen Korb am Arm. Ihr Haar war feucht vom Nebel. Kleine Tropfen hingen darin wie Glasperlen.

„Ich atme“, sagte er.

„Du atmest wie ein Dieb, der unter einem Bett liegt.“ Sie kam herein und stellte den Korb auf die Bank. „Zeig mir deine Hand.“

Er wollte sie hinter dem Rücken verstecken, aber sie war schneller. Sie nahm sein linkes Handgelenk und drehte die Hand ins Licht. Über dem Daumenballen zog sich eine rote, glänzende Brandblase. Er hatte vor zwei Tagen ein glühendes Hufeisen zu früh angefasst.

„Und das hier?“, fragte sie. „Auch geatmet?“

„Es ist nichts.“

„Es ist nichts, bis es eitert.“ Sie holte einen kleinen Tontiegel aus dem Korb, öffnete ihn, und ein Duft nach Ringelblume und Wachs stieg auf. Mit zwei Fingern strich sie die Salbe auf die Haut. Ihre Finger waren kühl. Matthes hielt still, still wie bei der Feder, und merkte, dass er wieder nicht atmete.

Sie kannten sich seit dem Sommer. Seit dem Tag, an dem Meister Volkmar gestorben war und Ilse aus ihrer Hütte am Waldrand heraufgerufen wurde, weil niemand sonst schnell genug da sein konnte. Sie hatte nichts mehr tun können. Aber sie war geblieben, bis es dunkel wurde, und hatte Matthes einen Becher Kräutersud in die Hände gedrückt, ohne etwas zu sagen. Seitdem kam sie. Mal mit Salbe, mal mit Brot, mal mit gar nichts. Keiner von beiden hatte bisher ausgesprochen, was das bedeutete. Aber jeder in der Vorburg wusste es.

„Du kommst bis hier herauf, nur wegen einer Blase?“, fragte er.

„Ich komme wegen der Müllerin. Hedwig hat das Fieber überstanden. Das Kind auch.“ Sie verschloss den Tiegel. „Und wegen der Blase.“

„Und wegen mir?“

Sie sah ihn an, und für einen Augenblick lag etwas in ihren Augen, das er nicht deuten konnte. Etwas Altes, Dunkles. Dann lächelte sie.

„Wegen dir am wenigsten“, sagte sie. „Du bist der Einzige auf dieser Burg, der von selbst gesund wird. Aus lauter Sturheit.“

Draußen kreischte ein Rabe. Matthes sah durch das Fenster. Auf dem Dach des Bergfrieds saßen sie, sieben oder acht schwarze Vögel, dicht nebeneinander, als warteten sie auf etwas. So viele hatte er dort noch nie gesehen.

„Die Alten sagen, um Allerheiligen kommen die Raben vor den Toten her“, sagte Ilse leise.

„Die Alten sagen viel.“

„Ja“, sagte sie. „Und manchmal stimmt es.“

Sie nahm ihren Korb. An der Tür blieb sie stehen und drehte sich noch einmal um.

„Mach die Feder fertig“, sagte sie. „Ich will sehen, wie das Schloss wieder schnappt.“

Er machte sie fertig. Er setzte die neue Feder ein, legte den Riegel darüber, fügte die Platten zusammen und drehte die vier Schrauben fest. Dann steckte er den Schlüssel ein und drehte ihn. Das Schloss sprang auf mit einem hellen, sauberen Klicken, als hätte es nie etwas anderes getan.

Ilse lachte, ein kurzes, überraschtes Lachen. „Das kann sonst keiner“, sagte sie.

„Volkmar hat es mir beigebracht.“

„Nein“, sagte sie. „Volkmar hat es nie gekonnt. Das sagen alle.“

Dann war sie fort.

Wie es weitergeht, erfährst du im Hörbuch.

Bildwelt

Szenen aus der Geschichte

Formate

Erhältlich als

Hörbuch (Download)

4,99 €

Bis 14. November gratis auf dieser Seite anhören – danach als Download erhältlich.

E-Book (Download)

2,99 €

Digitaler Download · sofort nach Zahlung verfügbar

Alle Preise inkl. gesetzlicher Umsatzsteuer.

Häufige Fragen

Keine neuen Hörbücher verpassen

Trag dich in den Newsletter ein und erfahre als Erstes, wenn neue Hörbücher erscheinen. Kein Spam, jederzeit abbestellbar.

Mehr

Weitere Titel